Das Berliner Startup Voize, das eine innovative App zur Pflegedokumentation mittels Spracheingabe entwickelt, hat eine bedeutende Finanzierungsrunde abgeschlossen. Mit 50 Millionen US-Dollar, angeführt von Balderton Capital und unterstützt von Altinvestoren wie HV Capital, Redalpine und Y Combinator, plant das Unternehmen seine Expansion und Produktentwicklung voranzutreiben. Dies folgt auf eine frühere Finanzierung von 9 Millionen US-Dollar im Frühjahr desselben Jahres.
Key Takeaways
- Voize entwickelt eine KI-gestützte App, die die Pflegedokumentation durch Spracheingabe revolutioniert.
- Das Unternehmen sammelte kürzlich 50 Millionen US-Dollar in einer neuen Finanzierungsrunde.
- Die Technologie erkennt Dialekte und Akzente und bietet Grammatikkorrektur sowie weitere KI-Funktionen.
- Voize hat seit der Gründung ein starkes Wachstum erfahren und unterstützt nun über 75.000 Pflegekräfte.
- Das Startup plant die Expansion in weitere Pflegebereiche und den Eintritt in den US-Markt.
Die Vision hinter Voize
Voize wurde 2020 von den Zwillingen Fabio und Marcel Schmidberger sowie Erik Ziegler gegründet. Die Kernidee entstand aus der Beobachtung des Pflegealltags: Pflegekräfte müssen oft Vitalwerte oder Trinkmengen schnell auf Zetteln notieren, um sie später mühsam am PC abzutippen. Voize nimmt ihnen diese Arbeit ab. Die App versteht gesprochene Informationen während des Gesprächs zwischen Pflegekraft und Patient, strukturiert sie automatisch und überträgt sie in die passende Dokumentation. Dies eliminiert Chaos-Notizen, unnötige Laufwege und doppelte Dokumentation, wodurch mehr Zeit für die direkte Pflege und den Austausch mit den Bewohnern bleibt.
Vom Dokumentationstool zur KI-Assistenz
Die ursprüngliche Idee einer reinen Dokumentations-App hat sich zu einer umfassenden KI-Assistenz entwickelt. Voize unterstützt Pflegekräfte nun bei einer Vielzahl administrativer Aufgaben, wie der intelligenten Schichtübergabe, bei der Informationen automatisch strukturiert und für das Team aufbereitet werden. Der Fokus liegt nicht mehr nur auf der Dokumentation, sondern auf dem gesamten Informationsfluss in der Pflege.
Rasantes Wachstum und Investorenkontakt
Seit seiner Gründung hat sich Voize von einem kleinen Team in einer WG zu einem Unternehmen mit fast 100 Mitarbeitenden entwickelt. Über 75.000 Pflegekräfte in Deutschland nutzen die App, was auf eine hohe Weiterempfehlungsrate zurückzuführen ist. Das Unternehmen wurde proaktiv von verschiedenen Fonds kontaktiert. Voize erstellte eine Liste strategisch passender VCs und führte gezielte Gespräche, um Investoren zu finden, die nicht nur Kapital, sondern auch Expertise und Netzwerk mitbringen.
Herausforderungen und Erfolgsfaktoren
Der Weg zum Erfolg war nicht immer einfach. Die ersten drei Bewerbungen bei Y Combinator wurden abgelehnt, doch durch das Aufnehmen von Feedback und das kontinuierliche Zeigen der Nutzerliebe konnte Voize schließlich die Unterstützung von YC gewinnen. Dies lehrte das Team Durchhaltevermögen. Der größte Erfolgsfaktor ist der starke Product-Market-Fit, der durch tausende Stunden Beobachtung und Begleitung von Pflegekräften im Arbeitsalltag erreicht wurde. Frühe Partnerschaften mit großen Integrationsanbietern und die Entwicklung einer eigenen, auf die Pflege spezialisierten KI, die auf über 100 Millionen verarbeiteten Einträgen basiert, sind weitere entscheidende Vorteile.
Zukunftsausblick
In einem Jahr sieht sich Voize als Standardlösung in vielen Pflegeeinrichtungen. Die KI soll weitere Bereiche des Pflegealltags vereinfachen, Prozesse intelligent vernetzen und mehr Zeit für die direkte Pflege schaffen. Geplant sind die Ausweitung auf Bereiche wie Eingliederungshilfe, ambulante Pflege und Kliniken sowie die Expansion in die USA. Voize steht erst am Anfang seiner Reise, die nächsten zwölf Monate werden entscheidend für die Realisierung der Vision sein.